Epilepsie-Formen

Überblick über wichtige Epilepsie-Anfallsformen

Die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) beschreibt verschiedene Anfallsformen und Epilepsien. Danach richtet sich unter anderem die Therapie. In die Klassifikation fliessen zum einen die beobachteten Symptome ein, zum anderen auch Ergebnisse aus Untersuchungen:

Fokale Anfälle: Sie beginnen an einer ganz bestimmten Stelle im Gehirn. Solche Anfälle werden auch teilweise, partielle oder herdförmige Anfälle genannt.

Sekundär-generalisierte Anfälle: Sie beginnen wie ein fokaler Anfall, breiten sich dann aber auf das ganze Gehirn aus.

Generalisierte Anfälle: Sie scheinen von Beginn an das gesamte Gehirn zu erfassen. Bei generalisierten Anfällen kommt es meistens auch zu vorübergehenden Bewusstseinsstörungen. Eine konkrete Ursache für die Epilepsie ist bei solchen Anfällen seltener auszumachen als bei fokalen Anfällen.

Diese drei Anfalls-Formen werden noch weiter aufgeschlüsselt. Ein Überblick über wichtige Untergruppen:

 

Fokale Anfälle

Was ist ein einfach-fokaler Anfall?

Ein einfach-fokaler Anfall spielt sich bei vollem Bewusstsein ab und kann ganz unterschiedliche Symptome verursachen. Er kann zum Beispiel zu Bewegungs-Auffälligkeiten führen wie Zuckungen eines Körperteils, unwillkürlichen Körperdrehungen oder Lautäußerungen. Oder es handelt sich um ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen wie Kribbeln, Blitze-Sehen, Höreindrücke, Schwindel, Geruchs- oder Geschmacksstörungen. Wieder andere mögliche Symptome sind Sprachstörungen, Halluzinationen und Angstgefühle. Die Wahrnehmungsstörungen werden – wie weiter oben bereits beschrieben – auch als Aura zusammengefasst.

Was ist ein komplex-fokaler Anfall?

Dieser Anfallstyp kann wie ein einfach-fokaler Anfall beginnen. Zusätzlich trübt sich das Bewusstsein. Der Patient ist nicht mehr richtig ansprechbar. Betroffene verhalten sich während eines Anfalls unter Umständen merkwürdig: Sie können zum Beispiel schmatzen oder grimassieren, Unverständliches stammeln oder ziellos herumlaufen.

 

Generalisierte Anfälle

Was sind Absencen?

Eine Absence (früher auch Petit Mal genannt) ist eine kurze Bewusstseinspause. Die Betroffenen halten im typischen Fall ganz plötzlich in ihrer Bewegung inne, wirken einen Moment lang völlig abwesend, reagieren nicht auf Ansprache. Meistens stürzen sie aber nicht, kommt aber aus Bewegung dennoch vor. Diese geistige Abwesenheit dauert gewöhnlich nur einige Sekunden, selten länger als eine halbe Minute. In manchen Fällen sind zusätzliche Symptome zu beobachten, beispielweise Blinzeln, kleine Mund- oder Kopfbewegungen. Anschliessend machen die Personen abrupt mit den begonnenen Tätigkeiten weiter als ob nichts geschehen wäre. An den kleinen Bewusstseinsaussetzer erinnern sie sich nicht. Die Anfallsfrequenz reicht von wenigen Anfällen pro Jahr bis zu mehreren Hundert Anfällen pro Tag.


Was sind Atypische Absencen?

Der Unterschied zu einer typischen Absence liegt darin, das sie meist länger dauern (30 bis 60 Sekunden, manchmal sogar noch länger) und das sie langsam beginnen und auch enden. Das Bewusstsein ist oft nur getrübt und eine verminderte Reaktion auf Ansprache bleibt erhalten. Allerdings reagiert das Kind sehr verlangsamt. Bei den meisten Betroffenen fallen ausser der Bewusstseinspause bei den Absencen noch andere Erscheinungen auf.
Reklinative Absencen – Hierbei werden Kopf und Oberkörper zeitlupenartig langsam, meist steif, manchmal ruckend nach hinten geneigt ("Sternkucker"). Die Augen bleiben dabei starr nach vorn gerichtet oder werden – öfters – langsam nach oben gewendet.
Absencen mit Automatismen – Diese sieht man, wenn die Bewusstseinspause über 10 Sekunden dauert. Häufig treten gleichförmig ablaufende Bewegungsfolgen auf, die Automatismen. Dazu gehört Schmatzen, Schlucken, Kauen, Lecken, oder ein Nesteln und Zupfen mit den Händen. Hierbei sind nicht alle Erscheinungsformen aufgeführt, es gibt noch einige andere…


Was sind myoklonische Anfälle?

Bei dieser Anfallsform beginnen ganz plötzlich bestimmte Muskeln oder Muskelgruppen zu zucken, zum Beispiel an Hand, Arm oder Rumpf. Das Bewusstsein bleibt erhalten. Die Anfälle dauern üblicherweise nur wenige Sekunden und enden dann ebenso abrupt wieder. Manche Betroffene bemerken auch nur, dass sie zum Beispiel immer wieder versehentlich Sachen fallen lassen.


Was sind klonische Anfälle?

Bei einem solchen Anfall ziehen sich Muskelgruppen – vor allem am Rumpf – rhythmisch zusammen. Oft stürzen die Betroffenen, können sich dabei womöglich verletzen.


Was sind tonische Anfälle?

Hier kommt es zu plötzlichen Verkrampfungen der Muskulatur, ohne dass Zuckungen auftreten. Die Betroffenen verlieren das Bewusstsein, stürzen und krümmen sich zum Beispiel oder überstrecken den Kopf. Auch die Atmung ist während des Anfalls oft unterbrochen was man an der bläulichen Hautverfärbung erkennen kann.


Was sind tonisch-klonische Anfälle?

Der sogenannte grosse Krampfanfall (früher: Grand Mal) ist ein generalisierter tonisch-klonischer Anfall. Er geht eventuell mit einer Aura einher (siehe oben), gefolgt von einem plötzlichen Bewusstseinsverlust. Oft stürzt der Betroffene.
Es kommt dann zu Verkrampfungen am ganzen Körper gefolgt von symmetrischen Zuckungen an Armen und Beinen sowie des Kopfes. Während des Anfall-Geschehens fliesst eventuell schaumiger Speichel aus dem Mund, Urin kann abgehen. Da die Atmung auch hier ins Stocken gerät, verfärbt sich die Haut als Zeichen eines Sauerstoffmangels allmählich bläulich. Es passiert, dass Betroffene sich beim Verkrampfen unwillkürlich in die Wange oder Zunge beissen (Zungenbiss).
Nach dem Anfallsgeschehen sind die Betroffenen oft benommen und schlafen eine Weile. Erwachen sie wieder, können sie zunächst verwirrt oder desorientiert sein. Sie leiden an Muskelkater. An den Anfall erinnern sie sich meist nicht.


Was sind atonische (astatische) Anfälle?

Bei dieser Anfallsform lässt plötzlich die Muskelspannung in einem Teil der Muskulatur nach. Je nachdem, welche Muskeln betroffen sind, fällt zum Beispiel auf einmal das Kinn auf die Brust, oder die Beine knicken ein. Oder der Betroffene sackt regelrecht in sich zusammen. Manche Betroffene bleiben auch kurze Zeit bewegungslos liegen und sind kurzzeitig ohne Bewusstsein.

Dies als Auszug aus vielen verschiedenen Anfallsformen.